„Knoll war gut, ist gut und kann so bleiben.“ Mit diesen Worten würdigte Jan Boese (Präsident Gewerbeverein Rüsselsheim) das 80-jährige Jubiläum der Autolackiererei Knoll – eine beeindruckende Firmengeschichte über vier Generationen.
Mutiger Start in der Nachkriegszeit
1946, mitten in der Nachkriegszeit: leere Regale, eine zerstörte Wirtschaft – und mittendrin Hans Knoll, der in der Nahestraße einen kleinen Malerbetrieb für Werbebeschriftung an Autos und Fassaden gründet. Kein leichter Start, aber einer mit Mut. Nur zwei, drei Jahre später erweitert Knoll das Geschäft um die Autolackierung – der Grundstein für das, was heute ein Karosserie- und Lackierfachbetrieb ist.

Die Familie wächst mit dem Unternehmen: 1946 kommt Sohn Wolfgang zur Welt, 1947 Rainer, 1956 Jürgen. 1960 stellt Knoll die ersten Gastarbeiter ein – ein früher Baustein für den Kundenstamm und die Belegschaft, die den Betrieb bis heute tragen.
Wachstum, Umzug und schwerer Schicksalsschlag
Die 70er-Jahre bringen mit den Ölkrisen harte Zeiten für ganze Branchen. Knoll wächst trotzdem: Zwischen 1972 und 1979 entstehen private und gewerbliche Neubauten, der Betrieb zieht ins Gewerbegebiet Hasengrund um, mietet zusätzlich eine Halle auf dem Nachbargrundstück und erweitert die Lackiererei um die Karosserie- und Unfallinstandsetzung.
1983 der bislang schwerste Einschnitt: Hans Knoll stirbt. Seine Söhne Wolfgang und Jürgen übernehmen von einem Tag auf den anderen – Wolfgang als Geschäftsführer, Jürgen als Betriebsleiter. Kein sanfter Übergang, sondern ein Generationswechsel mitten in der Trauer. Vier Jahre später, 1987, erwirbt Jürgen seinen Meistertitel und wird zweiter Geschäftsführer. Die Brüder bauen den Betrieb weiter aus, statt ihn nur zu verwalten: 2004 wird die angemietete Halle vergrößert, die Lackiererei angebaut und umgebaut.
Unternehmensnachfolge und Zukunft gesichert
2013 der nächste Übergang: Wolfgang geht in den Ruhestand, Jürgen führt das Unternehmen fortan gemeinsam mit seiner Frau Claudia. Im selben Jahr erwirbt bereits die dritte Generation ihren ersten Meilenstein: Marius Knoll wird Meister im Fahrzeuglackierer-Handwerk. 2020 übernimmt er die Betriebsleitung, seit 2023 ist er zweiter Geschäftsführer – heute wird die Firma laut eigener Darstellung „in der 2. und 3. Generation von Jürgen Knoll und seinem Sohn Marius Knoll“ geführt, mit einem Team von 23 qualifizierten Mitarbeitenden. Nachwuchs bildet der Handwerksbetrieb dabei selbst aus: aktuell lernen vier Auszubildende bei Knoll – drei Jungs und ein Mädel in der Werkstatt.
2025 zwei weitere Weichenstellungen: Das Nachbargrundstück, jahrzehntelang nur angemietet, wird komplett gekauft – ein klares Bekenntnis zum Standort Rüsselsheim. Und mit Sarah Knoll tritt die dritte Generation ins Unternehmen ein, zunächst als Büromanagerin, mit der Perspektive, später die Prokura von Claudia Knoll zu übernehmen.

Krisenfestigkeit und gelebter Generationenvertrag
Was aus den nackten Jahreszahlen nicht abzulesen ist, bringt Jan Boese in seiner Jubiläumsrede auf den Punkt: Knoll hat nicht nur eine, sondern mehrere Krisen überstanden – die Ölkrisen, die Strukturkrisen bei Opel, die Finanzkrise 2008/2009, die Corona-Pandemie – und dabei jedes Mal nicht nur überlebt, sondern den Betrieb weiterentwickelt. Für Boese ist gerade das die eigentliche Leistung: nicht eine einzelne Krise zu meistern, sondern einen Betrieb über mehrere Krisen hinweg und über drei, bald vier Generationen weiterzugeben – „gelebter Generationenvertrag“, wie er es nennt.
Zu den Gratulanten bei der Jubiläumsveranstaltung am 28. August zählten neben zahlreichen Gästen auch Stadtverordnetenvorsteherin Stefanie Kropp, Oberbürgermeister Patrick Burghardt und Bürgermeister Murat Karakaya – ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert der Betrieb inzwischen für die Stadt Rüsselsheim hat.
Heute steht Knoll, zertifiziert als Eurogarant-Fachbetrieb und mit externen Prüfungen durch TÜV Rheinland, DEKRA und den Zentralverband der Karosserie- und Fahrzeugtechnik, für genau diese Mischung aus Tradition und Erneuerung: ein Familienbetrieb, der 1946 mit einer Spritzpistole und viel Mut begann und heute mit der dritten Generation in die Zukunft blickt.
Quelle: OPEL STADT NEWS | Fotos: Achim Weidner