Skip to main content

Die Zukunft des Rüsselsheimer Einzelhandels

Über 50 Fachleute aus Unternehmen und Verbänden des Lebensmittel- und des Einzelhandels sowie der Immobilien- und Projektentwicklung sind der Einladung von Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch gefolgt. Einen Vormittag lang haben sie sich im Hotel Höll am Main bei den „Rüsselsheimer Fachgesprächen“ über aktuelle Entwicklungen im Einzelhandel in der Rüsselsheimer Innenstadt informiert, Meinungen ausgetauscht und miteinander vernetzt.

Für die Veranstaltung hatte Udo Bausch zwei ausgewiesene Fachkundige mit im Gepäck, die sich aufgrund vergangener und aktueller Projekte sehr intensiv mit der Innenstadt beschäftigt haben. Sie sollten mit Vorträgen über allgemeine Trends im Einzelhandel und über die aktuelle Situation in Rüsselsheim referieren, aber auch Handlungsperspektiven und Chancen in der Stadt aufzeigen, wie sie sich beispielsweise gerade zwischen Friedens- und Löwenplatz abzeichnen. Mit der Veranstaltung wolle er Impulse setzen und für Optimismus werben, so Bausch in seiner Begrüßung: „Es ist mein großes Anliegen, den Einzelhandel zu stärken und das Thema stärker zu bespielen.“ Dabei sei er sehr zuversichtlich, dass dies gelingen werde, „denn die Stadt verzeichnet aktuell Wachstum.“ 

Ohne Einzelhandel geht es nicht

Der erste Referent, der Stadtplaner und Sachverständige für Handel im Städtebau, Peter U. Berger, erläuterte zunächst die Bedeutung und Entwicklung des Einzelhandels: Der Einzelhandel sei für jede Kommune ein sehr wichtiger Standortfaktor, schließlich sei dieser mit 16 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt der drittgrößte Wirtschaftssektor in Deutschland. Er versorge täglich über 50 Millionen Menschen und habe darüber hinaus eine enorme soziale Bindungswirkung. Dabei sei der getätigte Umsatz kontinuierlich gestiegen, der Flächenbedarf aber stagniere auf gleichbleibendem Niveau. Der Grund: Die Zunahme des Versand- und Online-Handels. Diese Entwicklung setze insbesondere dem nicht-filialisierten, meist inhabergeführten Einzelhandel zu. Während dieser im Jahr 2000 noch rund 32 Prozent Marktanteile gehabt habe, so könnte seiner Prognose zufolge der Anteil im Jahr 2025 auf zwölf Prozent sinken. Im gleichen Zeitraum werde der Online-Handel von vier Prozent auf 21 Prozent an Bedeutung gewinnen. 

Quelle: Stadt Rüsselsheim am Main | Foto: Peter Thomas

Peter Berger, der sich bereits 2006 im Rahmen eines Gutachtens für die Wirtschaftsförderung der Stadt sehr intensiv mit den Einzelhandelsstrukturen der Stadt beschäftigt hatte, versuchte einen Vergleich zur aktuellen Situation zu ziehen und den Blick nach vorne zu richten. Seiner Beobachtung nach, habe die bereits 2006 erkennbare sinkende Attraktivität der Innenstadt und die mangelnde Angebotsvielfalt weiter zugenommen. Damals wie heute fehle ein „Magnet, ein Frequenzbringer in der Innenstadt“. Auch an der starken Konkurrenzwirkung benachbarter Oberzentren habe sich wenig geändert, die sich durch neuere Entwicklungen in benachbarten Gemeinden sogar noch weiter verschärfen könnte. Insgesamt stelle er einen Investitionsstau fest, der die notwendige Vitalisierung der Innenstadt gefährde. 

Entwicklungspotenziale der Stadt

Damit kam Berger dann aber auch gleich auf die Chancen und Entwicklungspotenziale zu sprechen. Neben dem  Bevölkerungswachstum und einem hohen Kaufkraft-Potenzial der Rüsselsheimer Bürgerinnen und Bürger hob er zwei noch junge Projekte in der Innenstadt hervor. Zum einen verwies er auf die Pläne zur „Motorworld“ im Opel-Altwerk, die einen deutlichen Attraktivitätsgewinn für die Innenstadt darstellen würden. Und der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs Karstadt-Areal / Löwenplatzquartier ermögliche „eine umfassende Stadtreparatur und gibt wichtige Entwicklungsimpulse“.

Opel-Altwerk und Karstadt als Impulsgeber

Das mit diesem Projekt verbundene Konzept vorzustellen, war dann Aufgabe von Sonja Moers, geschäftsführende Gesellschafterin des Architektur und Stadtplanungsbüros „Raumwerk“ aus Frankfurt. Sie stand vor der Herausforderung, einen Entwurf für einen Teil der Innenstadt zu entwickeln, auf den die Stadt Rüsselsheim am Main nur begrenzten Einfluss habe und somit eine vollständige Neuentwicklung aus einer Hand nicht möglich sei. Sie habe daher weniger einen Entwurf, sondern mehr eine Strategie und eine Prozess geliefert. Dieser beginne mit der Neubebauung des ehemaligen Karstadts, was wie ein Katalysator auf die umliegenden Flächen wirken würde. Weiter gelte es, Handlungsleitlinien für das Quartier zu definieren, damit die Energie, die mit der Revitalisierung des Karstadtgebiets verbunden sei, nicht verpuffe. Durch die so zunehmend attraktiver werdende Innenstadt ließen sich auch die privaten Eigentümer motivieren, in Umbau, Sanierung, Zusammenlegung oder Abriss zu investieren.

Vision als Chance

Oberbürgermeister Bausch wies darauf hin, dass der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs zeige, was machbar und in der Zukunft alles möglich sei. „Damit entstehen Optionen, nicht nur für gewerbliche Investoren, sondern auch für private Eigentümer“, sagte Bausch. Auf dieser Basis könne die Innenstadt wieder ein emotionales Erlebnis werden, was eine große Chance sei, um sich gegen den Online-Handel zu wappnen.

Quelle: Stadt Rüsselsheim am Main