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Zur Berichterstattung und Diskussion über die Entwicklung der ehemaligen Karstadt-Immobilie

Gemeinsame Erklärung des Präsidenten des Gewerbeverein Rüsselsheim von 1888 e.V. Dirk Schäfer und dem Vorsitzenden des Treffpunkt Innenstadt e.V. Thomas Hartmann zur Berichterstattung und Diskussion über die Entwicklung der ehemaligen Karstadt-Immobilie

Wir stellen fest: Der Erwerb der ehemaligen Karstadt-Immobilie durch die Gewobau überwindet den jahrelangen Stillstand und geht grundsätzlich in die richtige Richtung.

Wir verkennen nicht, dass die GeWoBau der Erbengemeinschaft als ehemalige Eigentümerin des Karstadt-Areals, sowie den Eingentümern der angrenzenden Nachbargebäude einen hohen Kaufpreis bezahlen musste, um die Immobilien überhaupt in Besitz zu bekommen.

Das hierfür offensichtlich ein hoher politischer Preise gezahlt wurden ist auf Grund der Besonderheiten und der Tatsache, dass der Erwerber ein Unternehmen ist, gerechtfertigt. Die GeWoBau ist unumstritten ein wichtiges öffentliches Unternehmen in der Stadt Rüsselsheim, dessen Reputation außerhalb jeder Frage steht.

Ob die GeWoBau ohne politische Intervention die Gebäude tatsächlich gekauft hätte, obwohl diese nicht in ihr Kerngeschäft gehören und sie nach eigenem Bekunden mit dem vergleichbaren, als City-U bekannt gewordenem Ensemble, keine guten Erfahrungen gemacht hat, bleibt eine rhetorische Frage.

Unsere Kritik richtet sich gegen die jüngsten, politisch gefassten Entscheidungen, die aus unserer Sicht, dass Maß des Zumutbaren, insbesondere in der Außendarstellung Rüsselsheim, weit überschritten haben.

Hierbei geht es zum einen darum, dass die politischen Entscheidungsträger zum wiederholten Male ein fatales Signal an alle Diejenigen senden, die unsere Stadt seit langem dringend braucht.

Investoren

Also Menschen und Institutionen, die bereit sind, viel Geld in die Hand zu nehmen, um in dem durchaus schwierigen Rüsselsheimer Umfeld Wohn- und Gewerberaum zu schaffen.

Während dies in den unmittelbaren Nachbar-Kommunen zu hervorragenden städtebaulichen Akzenten, mit einem erfrischenden Wachstum bei den Einwohnerzahlen und den Gewerbesteuereinnahmen führt, verhält sich die Rüsselsheimer Politik immer noch so, als wenn Sie dies nicht bräuchte und stattdessen mit ihrer Wohnbaugesellschaft glaubt, alle Projektentwicklungen selbst stemmen zu können.

Hier besteht die Gefahr, dass ein hervorragendes Wohnbauunternehmen, über ihre Grenzen hinaus belastet und dadurch nachhaltig beschädigt wird.

Der Zustand der Rüsselsheimer Finanzen zeigt, dass die Stadtpolitik hier seit Jahren auf dem faschen Weg ist.

Doch selbst wenn die GeWoBau das alles selbst dauerhaft stemmen könnte, riskiert die Stadt, dass andere wichtige Wohnbauprojekte der GeWoBau auf Jahre verschoben werden und hierbei keine Investoren in die Lücke springen könnten.

Auch wenn die GeWoBau bei einem Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt (und in der Immobilienbranche werden zur Zeit spitzen Kaufpreise gezahlt) einen siebenstelligen Verlust realisieren müsste, die schon beim Erwerb der Immobilien politisch einkalkuliert war, so wäre dies als Preis für die Beseitigung eines „Schandflecks“ aus unserer Sicht vertretbar.

Der zweite Aspekt ist jedoch, dass die Politik, ob dieses vermeintlichen Verlustes nunmehr seine Wohnbaugesellschaft nötigt ein Projekt zu realisieren, das nicht zu deren Kerngeschäft gehört und bei dem wir sicher sind, dass die Entscheidungsträger innerhalb des Wohnbauunternehmens, ob ihrer vorherigen oben genannten Erfahrungen sicher Bauchweh verspüren.

Hier besteht die Gefahr der Anhäufung noch viel größerer Verluste und vielleicht noch wichtiger, eines immensen Imageverlustes.

Anscheinend glauben die beteiligten Politiker bessere städtbauliche Akzente setzen zu können, als dies ein versierter Investor könnte. Dies lässt einzig den Schluss zu, dass eine Gestaltung gewählt wird, die zu überhöhten Baukosten führt oder wie der Rüsselsheimer sagen würde

„mit Ferz und Schnerkel“ gebaut wird, bei dem ein Gesamtgebäudewert entsteht, der weit außerhalb eines realen Gebäudewertes liegen wird.

Die ist kein Plädoyer für einen nüchternen Sachbau, aber umliegende Städte und Gemeinden beweisen, dass Rendite und schöne Architektur kein Widerspruch sein müssen. 

Gute Investoren, mit einer klaren städtebaulichen Vorgabe können stets besser und preisgünstiger solche Objekte realisieren.

Der eigentliche Punkt der Empörung ist, dass die städtische Politik bereit ist, bei ihrem Wohnbauunternehmen Gewerbefläche zur Eigennutzung anzumieten, um die Investitionsrisiken aufzufangen.

D.h. der ohnehin angeschlagene städtische Haushalt wird grundsätzlich und über Gebühr strapaziert, da hier mit Sicherheit weit mehr als ortsübliche Mieten gezahlt werden müssen, um die Verluste dauerhaft auszugleichen.

Wir sind sicher, dass die städtischen Entscheidungsträger einen privaten Immobilienbesitzer zu keinem Zeitpunkt derartig quer subventionieren würden.

Und hier geht es um Steuergelder!

Und deren Verwendung geht alle Rüsselsheimer etwas an !

Deshalb fordern wir die Rückkehr zur alten Planung, das Projekt mit Investoren zu realisieren.

Gerne kann die GeWoBau auch hier ein eigenes Verwaltungsgebäude mit Wohneinheiten für sich selbst errichten.

Sie ist ja an anderer Stelle nur Mieter …

Aber auf keinen Fall darf die Stadt hier selbst Mieter werden!